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Eventzelt wandelt sich zum Tempel

von Delf Bucher

Erich Engler, smarter Prediger des Internetzeitalters, errichtet in Bubikon den Church Dome.

Glaube versetzt Berge und manchmal auch einen Vergnügungspalast. So zügelt jetzt der Eventdome – bis vor Kurzem beim Hotel Seedamm-Plaza in Pfäffikon SZ für Konzerte und Kinoevents genutzt – nach Bubikon. Anfang 2012 soll er im Originalzustand aufgerichtet sein und dann als «Churchdome» seiner Familien- und Internetkirche als Tempel dienen. Erst im März gab der Gemeinderat von Bubikon grünes Licht für den Kirchenbau mit 320 Sitzplätzen. Und schon bald sollen auf dem mächtigen Kuppeldach, gut einsehbar von der Bahn, die grossen Lettern «CHURCHDOME» zu lesen sein.

Sportbegeistert. Das Fünf-Millionen-Franken-Projekt ist mit Spendengeldern und Fronarbeit, aber auch mit Bankkrediten finanziert worden. Sorgen um den Millionenkredit plagen den Freikirchengründer und Pastor Erich Engler nicht. Denn er hat das, was er anderen Menschen predigt: Gottvertrauen. 1991 ereilte den Eishockeyfan bei einem Spiel des Canada-Cups der Ruf zur Umkehr. Plötzlich floss «die Liebe Gottes in mich hinein wie warmes Öl», sagt er. Er wollte die Botschaft der Erlösungstat der Welt verkünden, absolvierte ein zweijähriges Bibeltraining in den USA und gründete die Familienkirche. 2007 gelang ihm ein aufsehenerregender Coup: die Gründung der ersten Schweizer Internetkirche. Auch der Freikirchenkritiker Hugo Stamm war damals vom «stattlichen Pastor mit dem Dreitagebart» angetan und erhob ihn zum «medialen Superstar der freikirchlichen Szene».

Revolutionär. Auf vierzig- bis fünfzigtausend Downloads bringen es seine Internetpredigten monatlich. Einen Ableger hat er im süddeutschen Heilbronn gegründet, und im Churchdome will er nun mit Lichtdesign, Bühnenbild und Grossleinwand multimedial seine Botschaft einem noch grösseren Publikum nahebringen. Was Engler von vielen evangelikalen Predigern unterscheidet: Wörter wie Verdammnis und Schuld fehlen ganz in seinen Gottesdiensten oder Internetandachten. Seine Botschaft ist die Gnade und auf dem «geistlichen Boden» des Zürcher Oberlandes will er eine «theologische Revolution» auslösen. «Unser Anliegen ist es, den Gläubigen begreiflich zu machen, dass Gott ihnen etwas Gutes tun will.»

 

Gnadenreich. Wenn Engler sein Schlüsselwort «Gnade» ausspricht, fängt er zu gestikulieren an. Er setzt mehr auf Körpersprache als auf die Stimmgewalt eines Wutpredigers. Smart sagt er: «Nicht nur vergangene, sondern auch gegenwärtige und zukünftige Sünden sind uns vergeben: Wenn Sie das begreifen, entspannt sich Ihr Leben ungemein.» Gnade ist auch die Erklärung für den gehobenen Lebensstil, den Engler mit Luxuslimousine und modern gestyltem Outfit selber verkörpert. Sein Wohlstandsevangelium verteidigt er geschickt: «Zwei Drittel aller Jesus-Gleichnisse handeln von Wohlstand und Reichtum.» Wohlstand ist das eine Gnadenversprechen, das Engler predigt. Das andere ist die Aussicht auf Heilung. Das falsche Bild von einem Gott, der den Menschen Krankheiten zur Strafe auferlege, sei oft die Wurzel der Krankheiten. Der Gott der Gnade dagegen befreie von dem Gefühl, schuldig und verurteilt zu sein. Heilungsberichte im Internet zeigen, wie Krebstumore oder Depressionen schwinden. Aber Engler betont, dass die göttliche Gnade nicht den Arztbesuch ersetzen soll.

 

Konsumorientiert. Georg O. Schmid von der Informationsstelle Kirchen-Sekten-Religionen ordnet Englers Verkündigung dem «religiösen Konsumismus» zu. «Glaube soll einen ganz persönlichen Nutzen stiften», umschreibt er den neuen Trend. Im Gegensatz zu den USA oder Brasilien seien aber die Schweizer Millionäre weniger ansprechbar für die Botschaft von der göttlich begünstigten Reichtumsmehrung. Die Engler-Kirche, so Schmids Beobachtungen, erhält vor allem von Menschen am Rande Zulauf. Engler selbst dagegen betont, sich mit seiner Gnadenbotschaft an alle zu wenden. Aber dass einige Gönner gut betucht seien, hätte das Projekt «Churchdome» vorangebracht, wie er ohne Zögern zugibt.